Carl Weyprecht sammelt Seeleute für seine Polarexpedition.
Zu bedauern ist nur jener, so schmettert er über den Kai,
der sich und sein hartes Geschick bejammernd, die Tage zählt, die noch verfließen müssen, ehe die Stunde der Heimkehr schlägt. Ein Solcher thut besser, wenn er ruhig zu Hause bleibt und sich am warmen Ofen den angenehmen Kitzel fremder, in der Einbildung vielleicht übertriebener Leiden verschafft. Für Denjenigen aber... Weyprecht macht eine lange Pause, die anwesenden Matrosen hängen an seinen Lippen.
Für Denjenigen, den das Schaffen und Treiben in der Natur interessirt, ist die Kälte nicht so grimmig, daß sie nicht zu ertragen wäre, und die lange Nacht nicht so lange, daß sie nicht einmal zu Ende ginge.
Langeweile! donnert Weyprecht, der hagere, bärtige Mann im 34. Lebensjahr mit stechend sehnsüchtigem Blick, und dann spricht er ganz leise weiter:
Langeweile fühlt nur der, welcher sie in sich selbst trägt - die Seeleute lauschen gebannt
- und der nicht im Stande ist, die Beschäftigung zu finden, welche den Geist davon abhält, sich brütend das eigene Elend selbst zu schaffen! Stille.
Bald darauf melden sich elf abenteuerverliebte Matrosen im Hafenamt an, um bei der großen Polarfahrt des dreimastigen Barkschoners Admiral Tegetthoff dabei zu sein. Hinzu kommen der Heizer, der Zimmermann, der Koch, zwei Jäger, der Maschinist, der Eismeister und Harpunier, der Bootsmann, der Expeditionsarzt, zwei Offiziere und der Oberlieutenant Julius Payer, außerdem neun Schlittenhunde. Als Schiffslieutenant zeichnet Carl Weyprecht aus Michelstadt im Odenwald in den Personalakten. Bald darauf, im Jahr 1872 beginnt die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition auf der Bark Tegetthoff...
Zitate aus der Rede Carl Weyprechts, entnommen: Christoph Ransmayr, Die Schrecken des Eises und der Finsternis